Station 6: Olefterrasse

Wasser – lebenspendende Kraft

Die Farbe Dunkelblau steht für Stille, Entspannung und Vertrauen.

Ich betrete die Terrasse und kann nun am Geländer stehend auf die Olef sehen. Ganz nah am Fluss, ohne mir nasse Füße zu holen, kann ich auf das Wasser schauen und hinhören. Vielleicht kann ich die Bewegung des Wassers an den Steinen hören oder die Enten beim Schwimmen oder Quaken. Die Olef ist an dieser Stelle ein ruhiger Fluss.

Ein Fluss ist die Lebensader einer Region. Ein Fluss fördert das Wachstum der Pflanzen in Flussnähe. Daher siedelten sich Menschen gerne am Fluss an. Zudem wird mit der Kraft des Wassers Energie gewonnen. Flüsse sind wichtige Transportwege für Waren. Ein Fluss versorgt, wie auch die Olef hier, die Menschen mit Trinkwasser - heute meist über Talsperren, wie die flussaufwärts gelegene Oleftalsperre. Die meisten Flüsse bilden mit ihren Nebenflüssen und Bächen ein Netzwerk und geben mitunter einer Region den Namen: Olef-Urft-Tal. Doch ein Fluss ist auch gefährlich: Bei starken Regenfällen füllt sich das Flusstal, überschwemmt die Ufer und reißt vieles mit sich.

Die Existenz eines Ortes, der Wohlstand der Menschen und ihre Zukunft hängen oftmals von Flüssen ab und davon, wie die Menschen die Energie des Flusses zu nutzen wissen.

Mit dem bereit stehenden Eimer kann ich Wasser aus der Olef schöpfen.

Was gibt meinem Leben Kraft und Energie - in meiner Vergangenheit,
in meiner Gegenwart?
Wie nutze ich meine Lebensenergie?
Für wen bin ich lebenspendende Kraft - und auf welche Weise?
Fühle ich mich manchmal benutzt oder ausgenutzt?
Wen treibe ich an und was treibt mich an?
Erfahre ich Hingabe - bei mir, bei anderen?

Von der Terrasse aus kommend folgt der Meditationsweg der Nr. 28 nach rechts den Berg hoch zur nächsten Station an der Schlossmauer.

Ein Weiser im alten China wurde von seinen Schülern gefragt: „Du stehst nun schon so lange an diesem Fluss und schaust ins Wasser.  Was siehst du denn da?“ Der Weise schwieg. Er wandte seinen Blick nicht ab von dem unablässig strömenden Wasser. Schließlich sprach er: „Das Wasser lehrt uns, wie wir leben sollen. Wohin es fließt, bringt es Leben und teilt sich aus an alle, die seiner bedürfen. Es ist gütig und freigiebig. Die Unebenheiten des Geländes versteht es auszugleichen. Es ist gerecht. Ohne seinen Lauf zu zögern, stürzt es sich über Steilwände in die Tiefe. Es ist mutig. Seine Oberfläche ist glatt und ebenmäßig, aber es kann verborgene Tiefen bilden. Es ist weise. Felsen, die ihm im Lauf entgegenstehen, umfließt es. Es ist verträglich. Aber seine Kraft ist Tag und Nacht am Werk, das  Hindernis zu beseitigen. Es ist ausdauernd. Wie viele Windungen es auch auf sich nehmen muss, niemals verliert es die Richtung zu seinem ewigen Ziel, dem Meer, aus dem Auge. Es ist zielbewusst. Und sooft es auch verunreinigt wird, bemüht es sich doch unablässig, wieder rein zu werden. Es hat die Kraft, sich immer wieder zu erneuern. Das alles ist es, warum ich auf das Wasser schaue. Es lehrt mich das rechte Leben!“

Volksweisheit